Berichte
über Veranstaltungen des Hospizdienstes
Weinsberger Tal und Ereignisse aus seiner Arbeit.
Klicken Sie auf den Link, um direkt zum entsprechenden Bericht zu
gelangen. (Zur Chronik
der Veranstaltungen)
- Jahrbuch
Im Jahrbuch der Stadt Weinsberg
haben alle Vereine und öffentlichen Institutionen die
Möglichkeit, über ihre Arbeit des vergangenen Jahres zu
berichten. Redaktionsschluss ist Ende Oktober. /
Jahrbuch 2000
- Migliederbrief 2000
Wir haben uns vorgenommen, zu Beginn eines jeden Jahres einen
Brief an die Mitglieder zu schreiben.
Die Mitglieder sollen persönlich über die von ihnen geförderte
Arbeit unterrichtet werden. Beigefügt ist regelmäßig das
Protokoll der Mitgliederversammlung.
Vortrag Dr. Bernhard
Grimm und 2. Weinsberger Symposium
Palliativmedizin
Leid kann auch einen
Reifeprozess auslösen
Ein philosophischer Vortrag nahm den Mensch im Leid
und die Sinnfrage in den Mittelpunkt. Ein Ärztesymposium befasste
sich mit der Palliativmedizin und Schmerztherapie bei nicht mehr
heilbaren Krankheiten. Der Hospizdienst Weinsberger Tal und der
Qualitätszirkel Palliativmedizin mit dem Weinsberger Arzt Sigmund
Jakob hatten eingeladen.
"Leid ist in sich selbst nicht sinnvoll, aber Sinn
ist möglich trotz Leid." Diesen Gedanken stellte Dr. phil. Bernhard
Grimm seinem Vortrag unter dem Thema "Ausgesperrt von der
Sonnenseite des Lebens" im katholischen Gemeindehaus voran.
Arbeitslosigkeit, Trennung, Krankheit, Tod. Vielfältig sei das Leid,
das Menschen treffen könne. Die Sinnfrage stelle sich. "Man kann das
Leid nicht aus der Welt schaffen, wenn man das Leid vermehrt",
führte der Redner aus.
Vor 60 Zuhörer sprach der Philosoph, Althistoriker
und Theologie behutsam und eindrücklich darüber, dass Leid zwar zum
Leben gehöre, es aber überwindbar sei, "wenn wir unser Schicksal
meistern". Leid könne einen Reifeprozess des Menschen auslösen, in
dem er wachse und zur inneren Freiheit trotz äußerer Abhängigkeit
gelange. "Wir erkennen, wie kostbar das Leben ist."
Beispiele von Menschen, die das Leid überwunden und
neue Lebensaufgaben fanden, verdeutlichten seine Aussagen.
"Werteerweiterung führt zur Sinnfülle", vermittelte Bernhard Grimm.
Rückblickend lasse sich nach der überwundenen leidvollen Zeit der
Sinn erkennen.
Das Symposium am folgenden Tag befasste sich damit,
wie das Leid bei einer unheilbaren Krankheit gelindert,
Lebensqualität und Würde des Menschen erhalten werden könnte.
Leitende Ärzte sprachen über Opiattherapie, über den Neuropathischen
Schmerz, über die Palliativmedizin (zuwendende Medizin am Ende des
Lebens) und über Schmerztherapie.
Die Moderation hatte Dr. med. Karl-Heinz Koniczek,
Ärztlicher Leiter des Onkologischen Schwerpunktes (Onkologie: Lehre
der Krebserkrankung) Heilbronn.
"Palliativmedizin und Schmerztherapie beschäftigt
auch die Bevölkerung", hat der initiierende Weinsberger Arzt des
Symposiums, Sigmund Jakob, festgestellt. Er freute sich, dass sich
nicht nur Ärzte, ärztliche Mitarbeiter und Hospizhelfer
informierten, sondern auch Betroffene. "Die Ärzte zeigen sich dafür
offen", sagte er.
"Tumortherapie und Schmerztherapie gehören
zusammen", so der Tenor des Symposiums. Das grundlegende Bedürfnis
des kranken Menschen sei, nicht in die soziale Isolation zu kommen
und nicht unerträgliche Schmerzen erleiden zu müssen. Hier
informierte der Onkologe, dass ein Tumorleiden menschwürdig
begleitet werden könne.
Ärzte klärten über den "Schmerzmythos" auf. Die
Palliativmedizin, die Körper und Seele berücksichtige, gerät immer
mehr in den Vordergrund. Die ärztliche Aussage "Wir können nichts
mehr für sie tun" gebe es nicht mehr. Vielmehr müsse verdeutlicht
werden, so der Onkologe: "Wir lassen Sie nicht allein."
Dass die Zusammenarbeit ärztlicher Fachgruppen und
Netzwerke gefördert werden müsse, wurde deutlich. "Es ist wichtig,
dass neueste ärztliche Erkenntnisse weitergegeben werden, Menschen
Ansprechpartner haben", sagte Sigmund Jakob.
Heilbronner Stimme vom 27.04.2005 von
Margit Stöhr-Michalsky
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Dr. Marita
Engels: Selbstbestimmung in der medizinischen Krise
Jeder Mensch hat ein Recht auf Selbstbestimmung,
auch in schwerer, vielleicht tödlicher Krankheit oder Krise. Für den
Fall, dass er dann seinen Willen nicht mehr äußern kann, hat er die
Möglichkeit "in guten Tagen" seine Wünsche in einer
Patientenverfügung nieder zu legen. Das Finden geeigneter Formulare
ist dabei längst nicht mehr das eigentliche Problem. Vielmehr liegt
die Schwierigkeit darin, sich medizinische Grenzsituationen am Ende
seines Lebens vorzustellen und mit klaren Formulierungen Ärzten und
Angehörigen Hinweise oder Anweisungen für ihr Vorgehen zu geben.
Dr. Marita Engels wird in einem Referat mit
Aussprache Problemsituationen schildern, Konsequenzen verschiedener
Behandlungsmöglichkeiten aufzeigen und vor allem erklären, mit
welchen Formulierungen man in einer Patientenverfügung festhalten
kann, was geschehen soll. Sie wird Inhalt, Form und Möglichkeiten
aber auch die Grenzen einer solchen Verfügung an konkreten
Beispielen darlegen. Dr. Engels arbeitet in der Strahlentherapie und
ist fast täglich mit derartigen Entscheidungen konfrontiert.
Rechtsanwalt Dr. Markus Kleine wird einleitend aus juristischer
Sicht Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung
erläutern.
Der Vortrag fand statt am
Dienstag, 21.09.04, um 20 Uhr im Katholischen Gemeindehaus der
Vater-Unser-Kirche in Willsbach, Sülzbacher Weg.
Veranstalter sind die Kath. Kirchengemeinde St. Johann Baptist und
der Hospizdienst Weinsberger Tal.
Über diesen gut besuchten Vortrag ist keine
Presseveröffentlichung erschienen. Das Thema "Patientenverfügung"
kommt in der Zeitung inzwischen zu oft vor. Allerdings hat dieser
Vortrag das Thema vom Erleben des Betroffenen und den inhaltlichen
Fragen des Verfügenden her aufgegriffen und sich damit von vielen
ähnlichen Veranstaltungen unterschieden. Der Abend wurde von etwa
100 Personen besucht.
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Margarete
Hartmaier begleitet selbst auch Sterbende in
Weinsberg und Umgebung
100. Mitglied im
Hospizdienst
Seit neun Jahren gibt es den Hospizdienst
Weinsberger Tal. Vor kurzem konnte der Vorsitzende, Horst Gold, das
100. Mitglied begrüßen: Margarete Hartmaier aus Obersulm-Affaltrach.
Hartmaier
ist zudem Hospizbegleiterin. Diese Qualifikation hat sie nach einer
einjährigen Vorbereitung erhalten. Seit sieben Jahren ist Margarete
Hartmaier Nachbarschaftshelferin. Bei der Pflege einer betagten
Frau, die im Sterben lag, fiel ihre Entscheidung, sich für den
Hospizdienst zu engagieren. "Die gute familiäre Atmosphäre aller
Beteiligten, die sorgsame Begleitung bis zum Schluss" habe sie so
beeindruckt, dass sie selbst neben der Nachbarschaftshilfe diese
Aufgabe übernehmen wollte. "Das müsste man jedem gönnen, geborgen zu
sterben", ist die 51-Jährige überzeugt.
Nach der Vorbereitung zur Hospizbegleiterin trat
Margarete Hartmaier nun auch in den Verein ein, der damit 100
Mitglieder hat. "Das ist jetzt meine Aufgabe. Da gehöre ich jetzt
dazu", entschied sie.
Seit Gründung des Vereins 1994 wurden 63
Ehrenamtliche auf den Hospizdienst vorbereitet. Rund 25 Helfer
stehen zur Zeit für sterbende Menschen und Angehörige im Raum
Weinsberg zur Verfügung. "Die menschliche Zuwendung, entsprechend
der ganz eigenen Bedürfnisse, steht dabei im Mittelpunkt",
beschreibt der Verein seine Aufgabe. Die Inanspruchnahme ist
kostenlos.
2002 wurden ein Dutzend Sterbender in ihrer
häuslichen Umgebung über 392 Stunden von 17 Ehrenamtlichen
begleitet. In Krankenhäusern und sozialen Einrichtungen waren die
Begleiterinnen bei 17 Sterbenden eingesetzt. Mit dem Freundeskreis
Stationäres Hospiz besteht eine Kooperationsvereinbarung über die
persönliche Begleitung der Bewohner des Franken-Hospizes in
Weinsberg. Margarete Hartmaier versah hier ihre erste Begleitung.
"Ich möchte die Zeit bewusst mit dem Patienten verbringen", ist ihr
Wunsch.
Informationen gibt es über die Einsatzleitung,
Telefon 01 72 / 9 53 97 09.
Heilbronner Stimme Montag, 14.04.2003, von Margit
Stöhr-Michalsky
Foto: Margit Stöhr-Michalsky
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Der Stuttgarter Prälat
Martin Klumpp referierte beim Hospizdienst
Weinsberger Tal in der Baukelter in Weinsberg
Männer trauern anders als
Frauen
Jahrzehnte lange Erfahrungen mit Trauergruppen
brachte der Stuttgarter Prälat Martin Klumpp ein in sein Referat
"Trauern Männer anders?". Eingeladen zu dem Vortrag in der Baukelter
hatte der Hospizdienst Weinsberger Tal.
Voraus schickte Horst Gold vom Hospizdienst
allerdings eine Schweigeminute, in der man der Opfer des gerade
ausgebrochenen Irakkrieges gedachte. Klumpp stieg in das Thema ein
mit der Behauptung, dass es viel weniger Kriege gäbe, wenn das Thema
Sterben nicht so stark tabuisiert wäre.
Das Thema seines Vortrages, nämlich trauernde
Männer, teilte Klumpp in zwei Gruppen ein. Zum einen sind es
trauernde Eltern, die ein Kind verlieren, zum anderen Ehemänner,
deren Frau gestorben ist. Mehrfach betonte der Pfarrer im Laufe des
Abends, dass es nicht "den" trauernden Mann schlechthin gäbe. Aus
der Vielfalt, Trauer zu verarbeiten, hätte er jedoch im Laufe seiner
langjährigen Gespräche mit Einzelpersonen und Trauergruppen
Verhaltensmuster herausgearbeitet, die typisch seien.
Zunächst einmal sei bei Männern wie Frauen
auffällig, dass unmittelbar nach dem Tod eines Angehörigen ein
Schock einsetze, der alles "lähmt". Erst nach etwa acht bis 16
Wochen sei die Psyche dann so weit, dass sie bereit zum Trauern sei.
Bei Frauen setze dieses Trauern in der Regel etwas zeitiger ein als
bei Männern. Diese würden sich gerne selbst unter Zwang stellen mit
der Schutzbehauptung "Ich muss das schaffen". Wenn allerdings dann
doch dieser Schutzwall einreiße, dann besonders heftig. "Männer
trauern nasser", hieß Klumpps Erläuterung dafür, dass Männer zu
deutlich heftigeren und längeren Weinkrämpfen neigen, wenn sie erst
einmal reif dafür sind.
Auch der Ort des Trauerns variiert. Während Frauen
sich gerne in Gemeinschaft ausweinten und dabei ihre Probleme
besprechen, komme es bei Männern eher zu Fluchtreaktionen.
Von vielen männlichen Gemeindemitgliedern wusste
Klumpp, dass sie dafür mit dem Auto Hunderte von Kilometern weit
fahren oder aber beim Joggen ihren Gefühlen freien Lauf lassen.
Als weiteren Unterschied zeigte der Referent die
Ursachenfrage auf. Während Frauen sich eher in ein Schicksal
ergäben, kämen bei Männer oft hinterher Schuldgefühle auf, dass man
beispielsweise nicht auf einer anderen medizinischen Behandlung
bestanden habe.
Auch der Einklang mit der Religion kontrastiere.
Während Frauen nach Meinung des Prälaten ein tröstendes "Gespräch"
mit Gott suchen und ihr Leid klagen, komme von Männern eher der
Vorwurf: "Warum gerade ich?".
Dass die Trauer eine ganz natürliche Reaktion ist,
belegte der evangelische Geistliche mit der These, dass man nur
dadurch eine Krise überwinden kann. "Kein Therapeut findet einen
automatischen Kippschalter, mit dem er die Trauer beenden kann",
lautete seine Erfahrung. Erst durch intensives Trauern überwinde man
die Trauer selbst.
Dass Klumpps Ausführungen auf sehr interessierte
Zuhörer gestoßen waren, bewiesen die lebhaften Fragen an den
Referenten, die übrigens ausschließlich von männlichen Besuchern
gestellt wurden. Dabei hätte bei zehn männlichen und 23 weiblichen
Gästen eigentlich die Resonanz statistisch anders aussehen müssen.
Heilbronner Stimme, Samstag, 22.03.2003, von Karin
Freudenberger
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Inger
Hermann informierte über die Sprache sterbender Menschen - Viele
Metaphern
Symbol-Sprache zwischen
Leben und Tod
"Symbole
und Zeichen brauchen wir ein Leben lang", meinte Inger Hermann vom
Hospizdienst Stuttgart. Sterbende Menschen teilen sich besonders in
Bildern und Symbolen mit. Diese "Sprache" zu verstehen war Thema
ihres Vortrages vor mehr als 100 Menschen in Eschenau.
"Wenn anscheinend kranke, sterbende Menschen
verwirrt scheinen, dann machen sie sich auf den Weg", hat Inger
Hermann in ihrer langjährige Hospizarbeit erfahren. Der Weg führe
auf die Grenze hin, die der Sterbende zum Tod überschreite von der
Realität des Lebens in eine andere Dimension. Dieser Wechsel könne
im Gespräch ganz abrupt kommen, das empfänden Angehörige oft als
"verwirrt". So sagte ein schwerkranker Vater plötzlich zu seiner
Tochter: "Du, meine Koffer sind gepackt." Ein anderer Patient meinte
zu ihr. "Gut, dass Sie kommen, gleich fährt das Schiff ab."
Als sich die Hospizmitarbeiterin von einer Frau
verabschiedete, bat diese: "Lassen Sie auch die Haustüre auf." Das
seien Symbole, die nichts mit der Realität zu tun haben, die auf den
Übergang an der Grenze des Lebens hinweisen, so Inger Hermann.
"Reisen heißt immer Bewegung im Raum", war ihre andere Aussage.
Deshalb beschäftigten sich viele Symbole mit Zeit und Raum. Der
Wunsch nach einer "neuen Uhr" spielte in einem Beispiel eine Rolle,
ebenso der Satz "für die neue Zeiteinteilung bereit zu sein". Dass
die Wanderschuhe ja bereit stehen sollen, wünschte sich ein weiterer
Sterbender.
Hospizbegleiter
aus dem Kreis Heilbronn, Seelsorger, Krankenschwestern und
persönlich Interessierte verfolgten den Vortrag, den der
Hospizdienst Weinsberger Tal organisiert hatte. "Es scheint so, dass
die Seele auf vertraute Koordinaten zurückgreift, wenn sie sich auf
den Weg macht", berichtete Inger Hermann. Ein großer Schlüssel sei
hier ein weiteres Symbol, um "das Tor" aufzuschließen. Ein Haus
könne Metapher für den Körper sein. Ein Hospiz-Patient sprach
mehrmals davon, dass er sein Haus auflösen müsse. Das deute auf das
körperliche Gerüst hin, erklärte die erfahrene Referentin.
Menschen, die ihren Abschied vorbereiten, wechselten
häufig von der Realitätsebene in die Symbolsprache. Hier
aufzuhorchen, im Gespräch zu bleiben, Bereitschaft zu üben, "was
passiert auf der anderen Ebene", sei wichtig. Es falle schwer, sich
mit dem Tod vertraut zu machen. "Doch wenn wir Sterben ans Leben
ranlassen, wird das Leben dichter", gab Inger Hermann abschließend
den Zuhörern weiter.
Heilbronner Stimme Mittwoch, 29.01.2003, von Margit
Stöhr-Michalsky
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Löwenstein: Mit
Kindern über Sterben und Tod reden war Thema des Hospizdienstes
Weinsberger Tal - Klinikseelsorger Enz sprach
Der tote Opa könnte jetzt
auch ein Stern sein
Kinder fragen direkt und unverhofft. Auch wenn es
sich um das Thema Tod handelt. Wie beantwortet man ehrlich ihre
Fragen? Pfarrer Martin Enz, der kranke und sterbende Kinder
begleitete, sprach im evangelischen Gemeindehaus in Löwenstein
darüber. Der Hospizdienst Weinsberger Tal lud dazu ein.
Ein Wunsch des Seelsorgers gleich zu Beginn seines
Vortrages, der mit einfließenden persönlichen Erfahrungen und
Beispielen berührte. "Nicht nach platten Antworten suchen, sondern
sich fragen, wie rede ich über ein Erleben der Kinder, das sie
vielleicht neugierig gemacht, ihre Seele vielleicht auch im Tiefsten
erschüttert hat?".
Fragen
der Kinder nach Tod und Sterben kämen unverblümt und unerwartet, wie
bei ihm selbst auf der Heimfahrt vom Urlaub im Auto. "Dann ist es
jetzt präsent, dann braucht es eine Antwort", so Enz. "Kinder müssen
merken, dass wir ihre Fragen ernst nehmen", betonte er.
"Lassen Sie ihre Fantasie spielen", motivierte er an
anderer Stelle; denn Kinder bräuchten Bilder. So könne bei kleineren
Kindern der verstorbene Opa ruhig ein Stern sein, der auf das Kind
herableuchte. Bücher, um Kinder auf das Thema Tod vorzubereiten,
"eigneten sich nur, wenn ich sie selbst gut finde", gab er weiter.
Eine Buchliste und viele Tipps hatte er für die 40 Zuhörer
mitgebracht.
Auf die Frage eines zwölfjährigen schwerkranken
Mädchens an ihn, was wohl nach dem Tod komme, fragte der Pfarrer
zurück, was sie sich denn vorstelle. "Lassen Sie alles zu, wenn es
den Kindern hilft, wir wissen ja nicht, wie es im Jenseits ist." Was
mache es so schwierig, Fragen nach dem Sterben zu beantworten? "Wir
wollen Kinder, die fröhlich ihre Lego-Türme bauen", meinte der Vater
dreier Kinder. Trauernde Kinder machten Erwachsenen Angst, weil die
eigene Grenze des Verstehens sichtbar werde, auch die eigene
Sterblichkeit. Eine Hilfe sei, Schritte in die eigene Kindheit
zurück zugehen, zu schauen, welche Antworten waren zum Beispiel beim
Tod des geliebten Tieres hilfreich. Welche Gefühle, Erinnerungen
würden wach?
"Kinder begreifen den Tod altersgemäß
unterschiedlich", verdeutlichte Enz. Kinder im Vorschulalter hätten
vor allem Angst, verlassen zu werden. Tod werde noch nicht als
endgültig geglaubt. Ein Beispiel, bei dem ein sechsjähriges Mädchen
seinen kleinen toten Bruder nach einem Jahr wieder haben wollte,
weil er "nun lange genug tot war", verdeutlichte dies. Ab zehn
Jahren hätten Kinder eine realistische Vorstellung, würden das Ende
des Lebens als beängstigendes Ereignis sehen.
Martin Enz war an der Klinik Löwenstein tätig,
bildete die ersten Hospizhelfer im Weinsberger Tal aus. Als
Klinikseelsorger an der Kinderklinik in Tübingen hat er sterbende
Kinder begleitet. Hier habe er viel gelernt, sagte er. "Kinder
können im Angesicht des Todes leben", das war für Ihn eine
faszinierende Erfahrung. Wie der neunjährige Junge, der in der
Klinik abends seine Familie zum Kartenspiel einlud, das er noch mit
Mühe spielen konnte. Gegen Mitternacht sei er dann gestorben. Große
Resonanz auf den Vortrag zeigten die anschließenden Fragen und
Gespräche.
Margit Stöhr-Michalsky,
Heilbronner Stimme, 16.11.2002
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480 Stunden leisteten die
Hospizhelfer Hilfe
Gut besucht war die Mitgliederversammlung des
Hospizdienstes Weinsberger Tal. Zu Beginn informierte der
Vereinsvorsitzende Horst Gold über die allgemeine Situation des
eingetragenen Vereins. Erfreulich ist beispielsweise die
Mitgliederentwicklung, die nach vier Neuaufnahmen bei jetzt 97
Personen liegt.
Der allgemeinen Information dienten die
Besichtigungsfahrten in die Hospizeinrichtungen
Bietigheim-Bissingen, Stuttgart und Ulm. Erstaunt zeigte sich Gold
über das rege Interesse an der Homepage des Vereins. Allein im
Oktober wurde die Homepage 42 mal angeklickt, über die
Patientenverfügung informierten sich 155 Internetnutzer.
Das Thema Öffentlichkeitsarbeit vor Ort beleuchtete
anschließend Martin Rau. Neben Vorträgen vor Gruppen wie den
Landfrauen oder über Spezialthemen für ein breites Publikum kommen
zunehmend auch Anfragen von Ethiklehrern, die um Unterrichtsbesuche
bitten.
Einsatzleiterin Eva-Maria Wilske brachte
Zahlenmaterial. Insgesamt waren es im abgelaufenen Jahr 25 Einsätze,
darunter zehn Begleitungen zu Hause, sechs im Krankenhaus und neun
in diversen Pflegeheimen. Die Stundenzahl steigerten die insgesamt
16 Hospizbegleiterinnen dabei auf 480 Hilfestunden. Zu diesen Zahlen
kamen noch Telefongespräche oder Trauerbegleitungen.
Über die Ausbildung referierte Elfriede Schick. Die
Neulauterner Pfarrerin hatte im Februar mit einer neuen Gruppe aus
26 Personen begonnen. Auch wenn davon drei absprangen, teilte man
auf Grund der hohen Personenzahl die Gruppe in zwei Teams auf, die
sich intensiv mit Sterbebegleitung oder Pflegeaspekten
beschäftigten. Schick betonte ausdrücklich, dass man hier nicht nur
für den offiziellen Dienst als Hospizbegleiterin ausbilde, sondern
die Personen ihre Erfahrungen teilweise auch zunächst in der Familie
oder Nachbarschaft weitergeben möchten.
Die Grußworte des Freundeskreises Stationäres Hospiz
überbrachte dessen Vorsitzender Gerhard Scherr. Er berichtete über
Verzögerungen auf der "Zielgeraden" des Umbaus, gab sich jedoch
zuversichtlich, dass man noch in diesem Jahr fertig wird. Dies sei
umso wichtiger, als man bereits jetzt Patienten auf der Warteliste
habe.
Ausdrücklich wünschte er eine Zusammenarbeit mit dem
Hospizdienst, da man dringend auf wertvolle Hilfe im psychosozialen
und seelsorgerischen Bereich angewiesen sei. Der Freundeskreis
möchte hier dem Hospizdienst die sprichwörtliche Hand reichen und
hofft auf eine sensibel gehandhabte Zusammenarbeit. Horst Gold
versicherte, dass man selbstverständlich eine solche Kooperation
anstrebe. Er schlug vor, dass die Absprachen zwischen der
Pflegeleitung und der Einsatzleitung des Hospizdienstes erfolgen.
Nach dem Kassenbericht von Hedwig Berberich erfolgte
die einstimmige Entlastung der gesamten Vorstandschaft. Da keine
Neuwahlen anstanden, wird die "Hospizcrew" auch weiterhin von der
bewährten Vorstandschaft um Horst Gold geführt werden.
Karin Freudenberger, Heilbronner Stimme, 09.11.2002
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Petrus Ceelen beim
Hospizdienst Weinsberger Tal
In Notlagen für andere da
sein
"Es gibt viele, die Hilfe brauchen", verdeutlichte
der katholische Theologe und "Aids-Seelsorger" Petrus Ceelen in
seinem Vortrag in der Weinsberger Baukelter. "Mitfühlen, mitleiden,
mittragen und mitgehen" sei ein Weg, den jeder gehen könne. Darüber
sprach er vor 40 Zuhörer.
"Helfen fängt mit Sehen an", sagte der
Gesprächstherapeut einleitend. Er wollte die Zuhörer motivieren,
nicht wegzuschauen, wenn sie Leid sehen, sondern sich
unkonventionell einzubringen. "Die soziale Kälte auf der Straße des
Lebens ist groß", meinte der in Belgien geborene Petrus Ceelen.
Der 59-Jährige weiß, wovon er spricht. Seit 1992 ist
er sogenannter "Aids-Seelsorger" für den Großraum Stuttgart. Davor
war er 16 Jahre Gefangenenseelsorger auf dem Hohenasperg. Jeder
könne etwas tun, sagte er und verwies auf das Mitfühlen, das er an
den Anfang stellte. "Fragen Sie doch mal einen Bettler am
Hauptbahnhof, warum er hier steht." Sein Schicksal verschaffe einen
anderen Blickwinkel zum eigenen Leben, lasse den Gedanken zu: Auch
mich hätte es treffen können, führte Ceelen aus. Oft sei ein
aufrichtiges Gespräch wertvoller als ein Euro aus schlechtem
Gewissen.
Wie ist das mit dem Mitleiden? Der Buchautor machte
deutlich, dass es dem kranken Mitmenschen nichts nütze, mit ihm in
sein Leid zu versinken. Mitleiden heiße viel mehr, Geben und
Handeln, sich darauf einlassen, das Notwendige zu tun. "Etwas tun,
wenn man nichts mehr machen kann", das drücke das Wort Mittragen
aus. Als er einmal ein Aids krankes Mädchen fragte, was er für sie
tun könnte, meinte sie: "Nur ein bisschen da sein." Mittragen
bedeute für ihn Anteil nehmen an den Ängsten, Sehnsüchten, an der
Verzweiflung des anderen.
"Leid und Krankheit sind ein Geheimnis, das wir mit
dem Verstand nicht erklären können", versuchte Petrus Ceelen eine
Antwort auf Fragen bei Schicksalsschlägen zu geben. Die praktische
Antwort auf Leid sei die liebevolle Zuwendung. Körperkontakt, Nähe
und Berührung sagten oft mehr als Worte. Gerade als
"Aids-Seelsorger" habe er erfahren, welche Wohltat es für den
Kranken bedeutet, "wenn einer da ist, der ihm einfach nur die Hand
gibt."
Das Mitgehen als zuletzt genannte Möglichkeit,
sprach vor allem die anwesenden Hospiz-Helfer an, die Sterbende bis
zum letzten Atemzug begleiten.
Von Margit Stöhr-Michalsky, Heilbronner Stimme
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Das Sommerfest des -
Freundeskreises Stationäres Hospiz Weinsberg war Publikumsmagnet
Freude über den großen
Erfolg
Kaiserwetter, dazu schwäbische Küche und ein buntes
Musikprogramm. Optimale Voraussetzungen für einen Erfolg des vierten
Sommerfestes des Freundeskreises Stationäres Hospiz Weinsberg.
25 Helfer standen auf der Liste von Hans-Ulrich
Leisterer. Am Grill, im Spülzelt, an der Salattheke, beim
Kaffeeausschank. Aus den Erfahrungen der vergangenen Sommerfeste
hatte Küchenchef Walter Stein großzügig kalkuliert. 300 Portionen
Schwenkbraten und Maultaschen, 800 Bratwürste, dazu Salat aus 40
Kilogramm Kartoffeln. Dass es den vielen Gäste schmeckte, zeigte
sich daran, dass bereits am Nachmittag die Küche "ausverkauft"
meldete. Die gespendeten 40 Kuchen waren ebenfalls schnell weg.
Den
Abschluss des Sommerfestes gestalteten "Die Rebeles", die
dreiköpfige Rentnerband. Mit dabei am Schlagzeug und Keyboard der
Weinsberger Erich Todt. Volksmusik, Evergreens, Country-Musik und
James-Last-Hits unterhielten die Besucher vor dem Backhaus. Den
Auftakt des Sommerfestes bestritt wieder die Läpple-Kapelle mit
Dirigent Peter Gross. Die Jugendkantorei und die Kantorei der
evangelischen Kirche unter Leitung von Gerhard Frisch präsentierten
volkstümliche Weisen, Silcherlieder und Haydn-Interpretationen.
Wobei hier über die Harmonie in der Ehe nachgedacht wurde, auch über
den günstigen Augenblick, der zur Liebe führe. Der Herrenchor
(Leitung Hans-Jörg Eberle) zeigte sich auf den Spuren von "Comedian
Harmonists". Vom Donau-Dampfschifffahrts-Kapitän bis zur
Old-Shatterhand-Bar in Kentucky ging die musikalische
Reise.
"Ein voller Erfolg«, so bezeichnete Gerhard Scherr
das gut besuchte Sommerfest. In diesem Rahmen konnte er für den
Freundeskreis Stationäres Hospiz Weinsberg 1100 Euro zusätzlich für
gespendete und versteigerte handwerkliche und künstlerische Arbeiten
einnehmen. Der Erlös des Sommerfestes fließt ebenfalls in den Bau
des Hospizhauses in der Schwabstraße. "Dort gehen die Arbeiten in
großen Schritten voran", berichtete Walter Stein. Wände seien
versetzt, der Aufzug eingebaut, die Sanitäranlagen kurz vor der
Fertigstellung. "Wir könnten samstags noch freiwillige Helfer für
Tapeten entfernen und Hecken schneiden gebrauchen", ergänzte Walter
Stein.
Info: Am 15. September ist übrigens "Bauhocketse"
beim zukünftigen Hospizhaus in der Schwabstraße.
Von Margit
Stöhr-Michalsky, Heilbronner Stimme vom 27.08.02
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Professor Dr. Reinhard Tausch in Weinsberg
Positive Gedanken - ein
Schritt zur Besserung
"Wenn Stress zu Krankheiten führt", lautete das
Vortragsthema vom Hospizdienst Weinsberger Tal im
Erhard-Schnepf-Haus, das auf große Resonanz stieß.
Gedanken zu ändern ist bereits ein Schritt zur
Gesundheit. Stress ist Bedrohung, Bedrohung macht krank. Wie kann
man damit besser umgehen, wie kann man Krankheiten verhindern? Der
Vortrag von Professor Reinhard Tausch vor 300 Teilnehmern im
Erhard-Schnepf-Haus in Weinsberg sollte darauf Antworten finden.
Dass das Thema Stress aktuell ist und viele bewegt, zeigte die
unerwartet große Zahl von Zuhörern aus dem Kreis Heilbronn -
Hospizhelfer, Therapeuten, Sozialarbeiter, andere Berufstätige und
Mütter.
Aus der Sicht von wissenschaftlichen Erkenntnissen,
darauf legte Professor Reinhard Tausch Wert, wurden im Laufe des
Abends Stressursachen und Lösungswege zu einer besseren Gesundheit
aufgezeigt.
Es sei erwiesen, dass die Hälfte der Patienten
psychosomatische Krankheitsbilder hätten. Vor allem Herz- und
Kreislaufbeschwerden, Schwächung des Immunsystems, Rückenschmerzen
und Allergien zeugten davon. Wie kommt das? Was ist Stress?
Lebensstress wie Trennung oder Tod eines nahe stehenden Menschen,
chronische Krankheiten oder Arbeitslosigkeit empfinde der Mensch als
außergewöhnliche Bedrohung. Auch Alltagsstress wie Überforderung im
Beruf oder in der Familie, Konflikte, Druck, Perfektionismus
gehörten dazu.
Wie stark, wie unlösbar die Bedrohung sei, davon
hingen Erfahrungen, persönliche Bewertungen und Gedanken ab. Diese
seien der Schlüssel zur Stressreaktion, so der Psychotherapeut.
"Unsere Urahnen hatten zwei Möglichkeiten bei Alarm: Kampf oder
Flucht". Da sich dies gewandelt habe, der Körper aber dennoch unter
permanenter Bereitschaft stehe, mache dies krank. Stress löse
Versagensgefühle, Angst, Wut, Resignation aus. Neigung zu Süchten
oder Gewalt seien ebenfalls Folgen. Jeder könne etwas tun in Sachen
Stress, so der Forscher.
Das Bewusstsein mit positiven mentalen Inhalten und
Gedanken füllen, statt zu grübeln, sinnvolle Aktivitäten finden,
andere um Unterstützung bitten, soziale Kontakte wahrnehmen und sich
engagieren seien Schritte zur körperlichen und seelischen
Gesundheit. Schwerer sei es, die Realität zu akzeptieren. Hier riet
er: "Gelassenheit, wo wir etwas nicht ändern können, Handeln, wo wir
etwas verändern können."
Nach dem zweistündigen Referat mit
Muskelentspannungs- und Atemübungen blieb noch Zeit für Fragen.
Von Margit
Stöhr-Michalsky, Heilbronner Stimme, 27.04.02
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Vortragsabend des Hospizdienstes Weinsberg
Tal e. V. - Wie lebendige Trauer gelingt
Symbolische Staumauer
abtragen
Wenn ein geliebter Mensch stirbt, ist die Trauer
kaum auszuhalten. Viele Menschen trauen sich nicht, zu trauern,
lassen keine Gefühle zu.
Wie lebendige Trauer gelingen kann, erfuhren 120 Zuhörer in
Weinsberg beim Vortrag von Dirk Matzik, Leiter der Trauer-
und Lebensberatungsstelle T.A.B.U..
T.A.B.U., die Beratungsstelle, die es seit 1986 in
Essen gibt, stehe für Trauer, Abschied, Beratung, Unterstützung,
aber auch für das Tabu-Thema Trauer, über das man nicht spreche,
klärte Dirk Matzik eingangs auf. Und da war er schon mittendrin im
Thema seines Vortrages, den der Hospizdienst Weinsberger Tal in
Zusammenarbeit mit der AOK organisierte.
Gerade über die Trauer, die nämlich keine Krankheit
sei, sondern ein wichtiges Gefühl, wie er betonte, wollte er
sprechen. Darüber, welche Phasen durchschritten werden müssten, wie
es gelinge, wieder ins Leben zurück zu finden. Vor allem
Hospizhelfer aus dem Stadt- und Landkreis Heilbronn, auch Menschen,
die sich Rat holen wollten, kamen in die Hildthalle.
"Trauerprozess ist wichtig, sonst gibt es keinen
Abschied", teilte der 46-Jährige mit. In diesem Trauerprozess
könnten alle Gefühle in vielen Farben und Schattierungen sehr stark
werden: Traurigkeit, Wut, Hilflosigkeit, Schmerz, auch
Erleichterung. Diese zuzulassen sind für den Berater und
Seminarleiter sehr wichtig. "Auch Zusammenbrechen ist erlaubt",
meinte er.
Er sprach von der symbolischen Staumauer, die sich
Menschen innerlich bauten, wenn sie zum Beispiel Trauergefühle und
Tränen jahrelang in ihrem Leben zurückhielten. "Irgendwann sind die
Gefühle stärker und brechen durch." Deshalb plädierte er dafür,
"Stein für Stein" die Staumauer abzutragen, die so genannten
"unerledigten Geschäfte" aufzuarbeiten, damit sich die eigene
Persönlichkeit weiter entwickeln, Lebendigkeit entstehen könne.
Um Trauernde verstehen zu können, zeigte Dirk Matzik
vier Phasen auf, die der Betroffene durchmache. Am Anfang stehe das
Nicht-wahrhaben-wollen des Verlustes, der Realität. Aufbrechende
Emotionen, wie das Gefühl "verrückt zu sein", folgen. Danach komme
die Phase des Suchens, Findens und Verabschiedens. Dabei betonte
Matzik, den Verstorbenen nicht auf ein Podest zu stellen. Denn von
Göttern könne man sich nicht verabschieden.
Die vierte Phase sei die der Neuorientierung,
gewonnene Vorstellungen, wie das eigene Leben ausschauen sollte. Das
Modell des lebendigen Trauerns könnte jedoch von den Betroffenen
über den Haufen geworfen werden, doch immer sollten die Phasen
fließend sein. Ein Steckenbleiben bedeute Isolation, Kompensation
durch Arbeit, Tabletten oder Drogen. Hier sei professionelle Hilfe
angezeigt.
"Jeder kann etwas für Trauernde tun", betonte er,
jedoch keine Ratschläge geben, die aus der Hilflosigkeit erfolgen,
sondern "einfach da sein", dies genüge. Eines gab der Referent den
aufmerksamen Zuhörern und Hospizhelfern mit auf den Weg. "Um
Menschen helfen zu können, ist es wichtig, die eigene
Trauerlandschaft kennen zu lernen." Trauer sei wie eine Wunde, sie
müsse verantwortungsvoll umsorgt werden, damit sie heilen könne.
Margit Stöhr-Michalsky,
Heilbronner Stimme
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In der Mitgliederversammlung am 15. November 2001
hat der Verein seinen alten Namen "Hospizhilfe Region Weinsberg e.
V." abgelegt. Er heißt nun Hospizdienst
Weinsberger Tal e. V.. Mit dieser Änderung soll
Verwechslungen mit "Sterbehilfe" vorgebeugt werden und eine
Anpassung an einen weit verbreiteten Sprachgebrauch erfolgen.
Ähnlich verhält es sich mit der Bezeichnung
"Weinsberger Tal". Sie umfasst die Gemeinden, die im regionalen Teil
der "Heilbronner Stimme" angesprochen werden. Er deckt sich auch mit
einer kommunalen Gebietsbezeichnung.
Diese Namensänderung erfolgte im Rahmen einer
Satzungsänderung, mit der die Zahl der Beisitzer flexibel gestaltet
wurde und einige rein sprachliche Korrekturen vorgenommen wurden.
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Bücherspende für die Wüstenroter Gemeindebücherei
Im Zentrum der Hospizarbeit steht die Begleitung
Sterbender. Doch auch die Unterstützung der Hinterbliebenen ist
wichtiger Teil dieser Arbeit. Aus diesem Grund überreichte der
Hospizdienst Weinsberger Tal der Gemeindebücherei Wüstenrot ein
umfangreiches Büchersortiment zur Thematik Sterben.
Zum
ersten Mal traten die Hospizler dabei unter ihrem neuen Namen auf.
Firmierte man bislang unter "Hospizhilfe Region Weinsberg" so heißt
der Verein seit letzter Woche nun "Hospizdienst Weinsberger Tal".
Auf den grünen Aufklebern, die nun die geschenkten Bücher in der
Gemeindebücherei kennzeichnen, steht allerdings noch die alte
Bezeichnung. Sie sollen zeigen, wie umfangreich die Literatur ist,
die sich mit Tod, Sterbebegleitung oder auch Formalien zum Begräbnis
befasst. Neben Sachbüchern und Romanen für Erwachsene steht auch
eine breite Palette an Kinder- und Jugendliteratur zur Verfügung.
Titel wie "Du fehlst mir" oder "Hat Oma Flügel" deuten an, dass hier
ein Tabuthema kindgerecht aufbereitet wird. Büchereileiterin Gisela
Ankele bedankte sich bei der Bücherübergabe intensiv bei Horst Gold
und Martin Rau vom Hospizdienst und nannte auch den Betrag, der bei
der Übergabe in Buchform auf einem Präsentationstisch lag. Inklusive
Einbinden übernahmen die Hospizler Kosten in Höhe von 1232 Mark.
Rau erläuterte den Gästen, dass man dieses Geld gut
angelegt sieht, da eine gute Information innerhalb der Bevölkerung
auch die eigene Arbeit unterstützt. Er betonte, dass sich jeder
Hilfe suchende an den Hospizdienst wenden könne und dann von den
ehrenamtlichen Mitarbeitern kostenlos in der von ihm gewünschten
Form und Intensität begleitet werde.
Im Januar wird die Neulauterner' Gemeindepfarrerin
Elfriede Schick auch wieder einen neuen Kurs zur Ausbildung von
Hospizhelfern beginnen. Passend zur Thematik las der "schwäbische
Ostfriese" Gerhard Willms aus seinen Gedichten., Er erläuterte, dass
er selbst erst durch den Tod seiner Frau zum Schreiben gekommen sei.
Seine Gedanken zum Tod nahmen nicht nur die Sicht der
Hinterbliebenen auf, sondern stellten auch Fragen an die eigene
Vergänglichkeit.
Sehr einfühlsam näherte sich das Volksmusikensemble
Wüstenrot der Würde des Themas. In der ungewöhnlichen Besetzung
Kontrabass, E-Piano und Zither begeisterten Günter Bauerle, Helmut
Wahr und Jürgen Hoffmann die Zuhörer.
Bericht von Karin Freudenberger
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Heilbronner Stimme vom 27. September 2001
Die richtige
Antwort wird es nicht geben
Warum nur, warum? Einen Vortrag zur Annäherung auf
die Frage nach Schicksalsschlägen haben der Hospizdienst Weinsberg
und die Weinsberger Kirchen veranstaltet. Psychologe und
Psycho-Therapeut Reinhard Tausch und Theologin Anna Christ-Friedrich
suchten in ihren Beiträgen Erklärungen, gaben Hilfestellungen.
Bei der Planung des Themen-Abends ahnte von den
Organisatoren noch niemand, dass die Warum-Frage eine neue Dimension
durch die Terroranschläge in den USA bekommen sollte.
Die Frage des "Warum?" könne nach Tagen der
Katastrophe in Amerika nicht größer sein, ging Theologin Anna
Christ-Friedrich auf die aktuellen, schrecklichen Ereignisse ein. In
ihrem Vortrag beschrieb sie die Gefühle, die Menschen bei
Schicksalsschlägen, Krankheit, Tod überwältigen. "Wichtig ist, dass
Menschen die Frage gemeinsam aushalten." Anna Christ-Friedrich war
viele Jahre fachliche Leiterin des Arbeitskreis Leben in Heilbronn
und ist Referentin für Fort- und Weiterbildung Im Oberkirchenrat. In
sieben Beobachtungen näherte sie sich dem Thema, betonte wie
Psychologe und Psychotherapeut Professor Reinhard Tausch, dass es
nicht die eine, richtige Antwort gibt. Es gebe das Wissen von Tragik
und Leid, aber auch die Gewissheit, "diesem einem" sein Leid in
Liebe anzuvertrauen. Wie der Erstredner war auch die Theologin der
Meinung: "Zum Menschsein gehört, dass nicht alles erklärbar ist."
Reinhard Tausch gilt mit seiner Frau Anne-Marie
Tausch als Begründer und Vertreter der Klientzentrierten
Psychotherapie von Carl Rogers im deutschen Sprachraum. Der heute
80-Jährige war nach dem Tod seiner Frau einer der Impulsgeber für
die Hospizbewegung in Deutschland. Er verband in seinen Ausführungen
wissenschaftliche Aussagen mit eigenen Erfahrungen.
"Die Warum-Frage ist ein Vortasten in das
Unbekannte, um sich Klarheit zu verschaffen ohne die Sicherheit von
Lösungen", leitete er ein. Die Sinn-Frage nach schrecklichen
Ereignissen, die Frage, wie weit Menschen für ihr Leid
verantwortlich seien, stelle sich ebenfalls. "Unser Verstand ist zu
begrenzt, alles zu verstehen", führte der Wissenschaftler aus. Der
Mensch werde ins Leben gestellt, Gene und Umwelteinflüsse bedingten
sein Schicksal. Dieses annehmen, seine mentale Einstellung zum Leben
ändern könnte das Leid ertragen helfen, so Tausch vor 180 Zuhörern.
"Es gibt keine wissenschaftliche Antwort, ob es
einen strafenden oder liebenden Gott gibt", relativierte er die
Schuldgefühle, die viele Menschen bei Schicksalsschlägen haben.
Die Warum- und Sinn-Frage müsse von jedem selbst
beantwortet werden, ergänzte Anna Christ-Friedrich. Da die Vorträge
einen großen Raum einnahmen, kam ein Dialog zwischen psychologischer
und theologischer Sicht nicht mehr zustande, was der Vorsitzende des
Hospizdienstes Horst Gold bedauerte.
Margit Stöhr-Michalsky
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Sehr geehrte Mitglieder
wir haben uns vorgenommen, Ihnen als Mitglied immer
am Jahresanfang zu schreiben. Nun sind wir schon fast in der
Ferienzeit. So gilt, besser spät als gar nicht. Sinn dieser Briefe
ist, Sie zwischen den Mitgliederversammlungen über das Geschehen im
Verein zu informieren. Also, fangen wir an:
In der letzten Mitgliederversammlung haben Neuwahlen
zum Vorstand stattgefunden. Frau Schönhardt und Frau Starzmann sind
ausgeschieden. Neu hinzugekommen sind Frau Vohrer und Frau Leutwein.
Unser herzlicher Dank gilt den Ausgeschiedenen und den Neuen. Das
Gremium hat gut zusammen gefunden. Wir sind froh über die
Kontinuität in der Arbeit.
Im Jahr 2000 wurden in 17 verschiedenen Haushalten
und Institutionen 234 Einsatzstunden geleistet. Der größere Teil der
Einsätze erfolgte in Heimen. Die Bereitschaft der Verantwortlichen,
auch in der Sterbephase auf die Bedürfnisse ihrer Bewohner nach
mitmenschlicher Beziehung zu achten, ist erfreulich. Gerne würden
wir den Dienst in Privathaushalten verstärken.
Großes Interesse hat im November 2000 die
Veranstaltungsreihe "Sterbebegleitung oder Sterbehilfe" gefunden.
Das Thema ist aktuell. Offensichtlich machen sich viele Menschen
Gedanken, vielleicht sogar Sorgen. Das zeigt sich auch darin, daß 25
% der Besucher unserer "Homepage" im Internet –
www.hospiz-weinsberg.de – die Seite "Sterbehilfe" lesen.
Bei der Beschäftigung mit diesem Thema zeigte sich,
dass die sprachliche Nähe von "Hospizhilfe" und "Sterbehilfe"
nachteilig sein kann. Sterbehilfe meint das aktive oder passive
Herbeiführen des Todes. Das Anliegen der Hospizbewegung ist jedoch,
die Situation von Schwerstkranken und Sterbenden so zu gestalten,
daß der Wunsch nach einer wie auch immer gearteten Sterbehilfe nicht
entsteht. Deshalb denken wir an eine Umbenennung unseres Vereins in
"Hospizdienst". Ferner soll die Bestimmung über die Zahl der
Beisitzer im Vorstand flexibel formuliert werden. In der Einladung
zur Mitgliederversammlung werden wir die Vorschläge des Vorstands
mitteilen, damit sie in der Sitzung erörtert werden können.
Wir beabsichtigen, im Januar 2002 mit einer neuen
Vorbereitungsgruppe für Hospizbegleiterinnen und Hospizbegleiter zu
beginnen. Von verschiedenen Seiten wurde Interesse angemeldet. Von
den Teilnehmern erwarten wir nicht von vornherein, daß sie
anschließend Einsätze machen. Wer sich im eigenen Interesse mit der
Thematik der Sterbebegleitung auseinander setzen will, ist herzlich
eingeladen. Natürlich sind wir über eine Verstärkung des Dienstes
froh. Pfarrerin Elfriede Schick wird auch diese Gruppe leiten.
Der "Freundeskreis Stationäres Hospiz" macht mit der
Schaffung eines Stationären Hospizes Fortschritte. Inzwischen ist
das Haus in der Schwabstraße in Weinsberg gekauft. Die Bauplanung
ist in ein konkretes Stadium getreten. Der jetzige Nutzer des
Gebäudes, die "JuLe" Jugendhilfe im Lebensfeld –, hofft im Frühjahr
2002 in sein neues Domizil umziehen zu können. Dann können die
Umbauten für das Hospiz beginnen.
Und nun laden wir Sie noch zu drei Veranstaltungen
ein:
-
Der Freundeskreis Stationäres Hospiz feiert am
Sonntag, 26.08.2001, von 11 bis 18 Uhr sein Sommerfest beim
Backhaus in der Kanalstraße in Weinsberg.
-
Am Donnerstag, 27.09.2001, 20 Uhr, findet in
Weinsberg, Erhard-Schnepf-Haus, Dornfeldstr. 44, ein
Gesprächsabend statt:
"Warum nur, warum?" – Die Warum-Frage im Dialog mit einer
Theologin und einem Psychiater.
Dr. Anna Christ-Friedrich, Theologin, Pfarrerin, und Dr. Gerhard
Pfaff, Psychiater.
-
Am Donnerstag, 15.11.2001, um 20 Uhr sind Sie
zur Mitgliederversammlung unseres Vereins in die Stiftstube,
Beim Wachturm 1 - 5, Weinsberg, eingeladen.
Wenn Sie einen Internetzugang haben, besuchen Sie
doch regelmäßig unsere Homepage www.diakonie-weinsberg.de. Sie
finden dort neben grundsätzlichen Informationen die Seite
"Aktuelles" und eine Link-Liste zu interessanten Informationen im
Internet.
Das war in Kürze ein Bericht über die "laufenden
Geschäfte". Das "Hauptgeschäft" geschieht durch die
Hospizbegleiterinnen und Hospizbegleiter. Sie treffen sich
regelmäßig in Löwenstein und Weinsberg, die "Gruppe Berg" und die
"Gruppe Tal", wie wir sie intern nennen. Diese rund fünfzehn Frauen
und Männer sind bereit, wenn Sie gerufen werden, Sterbende zu
begleiten, für Angehörige da zu sein und Trauernden zur Seite zu
stehen. Wir danken ihnen für ihre Bereitschaft und für ihren Dienst.
Namens des Vorstands grüßen wir Sie herzlich und
wünschen Ihnen während der Ferienzeit gute Erholung an Leib und
Seele, gleich, ob Sie verreisen oder zu Hause bleiben,
Horst Gold, Erster Vorsitzender Martin
Rau, Zweiter Vorsitzender
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Jahrbuch der Stadt Weinsberg 2001
Angst und Beklemmung, Unsicherheit und Schmerz –
diese Gefühle kennen viele von uns, wenn wir Menschen begleiten, von
denen wir wissen, daß sie bald sterben werden. Oft befallen uns
Hilflosigkeit und Ratlosigkeit am Bett des Sterbenden. Viele wollen
ihren Angehörigen beistehen, sind aber am Ende ihrer Kraft.
Was brauchen Menschen, die dem Sterben nahe sind
oder an einer schweren Krankheit leiden? Wie können wir auf sie
eingehen? Wie kann man den Angehörigen helfen? Auf diese Fragen
möchte die Hospizbewegung Antwort suchen und – wenn möglich – geben.
Oft wäre es für eine Pflegende gut und wichtig zu
wissen, daß sie in der nächsten Stunde nicht ans Bett gerufen wird.
Es wäre gut, wenn sie wüßte, daß jemand da ist, der gern gekommen
ist, nicht gleich wieder weg laufen muß und einfühlsam, zuverlässig
und unverbraucht von langer Pflege bei dem Kranken bleibt. Wenn Sie
bei der Begleitung eines sterbenden Menschen oder bei einem in
ähnlich schwieriger Lage befindlichen Schwerkranken unsere
Unterstützung in Anspruch nehmen wollen, dann rufen Sie bitte unsere
Einsatzleitung an. Telefon: 0172/9539709. Wir machen auch länger
dauernde Besuchsdienste, kommen also nicht nur, wenn der Tod
unmittelbar bevor steht.
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten alle
unentgeltlich. Sie erhalten lediglich Kostenersatz. Ohne ihren
selbstlosen Dienst wäre unser Verein ein Nichts. Sie tun diesen
Dienst gern und warten darauf, gerufen zu werden.
In der Regel ist es nicht möglich, diese Arbeit
allein und ohne stützendes Netzwerk zu tun. Deshalb legen wir
besonderen Wert auf die Vorbereitung für die Hospizbegleiterinnen
und Hospizbegleiter. Nach dem Eintritt in den aktiven Dienst treffen
sie sich regelmäßig, um Schwieriges und Gelungenes auszutauschen und
weitere Schritte zu planen. Diese Gespräche halten die
Begleiterinnen und Begleiter zusammen und stärken ihnen den Rücken.
Selbstverständlich stehen alle Beteiligten unter Schweigepflicht.
Nachdem im Juni 1999 eine Vorbereitungsgruppe im
"oberen" Bereich unseres Einsatzgebietes fertig geworden ist, gibt
es zwei solcher Gruppen. Dank dieser neuen Gruppe ist unser Ziel
erreicht, auch in den Gemeinden Obersulm, Löwenstein und Wüstenrot
verläßlich den Hospizdienst anzubieten. Der Umfang der "Einsätze"
richtet sich einerseits nach den Bedürfnissen des Schwerkranken oder
Sterbenden und seiner Angehörigen, andererseits nach den
Möglichkeiten der ehrenamtlichen Hospizbegleiterinnen und
Hospizbegleiter.
Im Frühjahr 2002 ist ein neues Vorbereitungsseminar
geplant. Eingeladen sind Menschen, die sich für den Hospizdienst zur
Verfügung stellen wollen. Willkommen ist aber auch, wer sich aus
privaten Gründen mit Sterben und Tod befassen will.
Öffentliche Vortragsveranstaltungen führen wir so
oft wie möglich durch. Sie sollen Lebenshilfe für interessierte
Bürgerinnen und Bürger und gleichzeitig ein Fortbildungsangebot für
die Aktiven des Vereins sein. Für uns alle sind Krankheit, langes
Leiden und Tod schwierige Themen. Durch das weitgehend übliche
Verschweigen dieser Erlebnisse wird aber alles noch schwerer, denn
jeder muß versuchen, ganz allein damit fertig zu werden. Wir hoffen,
mit unserer Öffentlichkeitsarbeit da und dort das Gespräch in Gang
zu bringen, damit Erleichterung geschaffen und Einsamkeit verhindert
wird. Die Veranstaltungsorte wechseln wir bewußt ab.
Die Frage nach Sterbehilfe, gemeint ist das aktive
oder passive Herbeiführen des Todes, geht auch an unserem Verein
nicht vorüber. Im Berichtszeitraum fand eine viel beachtete
dreiteilige Veranstaltungsreihe "Sterbebegleitung oder Sterbehilfe"
in der Baukelter statt. Der Verein plant derzeit einen Beitrag im
Internet unter www.hospiz-weinsberg.de. Voraussichtlich werden die
Aufsätze eines Arztes, eines Juristen und einer Theologin Ende
Januar 2002 online sein.
Vor großer Zuhörerschaft sprachen im September 2001
Prof. Dr. Reinhard Tausch, Psychotherapeut, und Dr. Anna
Christ-Friedrich, Theologin, über das Thema "Warum nur, warum". Sehr
viele Menschen suchen oft verzweifelt nach dem Sinn und der Ursache
von Schicksalsschlägen. Für viele bleibt diese Frage unbeantwortbar.
Davon ausgehend haben die Referenten Hilfen aufgezeigt, wie man auch
damit "leben" kann.
Wir hoffen, daß aufgrund des guten Dienstes und der
vielfältigen Öffentlichkeitsarbeit die Inanspruchnahme des
Hospizdienstes für schwerkranke und sterbende Menschen immer mehr
zur Normalität wird. Wir können etwas gegen Einsamkeit und
Alleingelassensein tun. Man muß uns aber sagen, bei wem Bedarf ist,
und muß unseren Dienst wollen.
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Jahrbuch
2000 der Stadt Weinsberg
Angst und Beklemmung, Unsicherheit und Schmerz –
diese Gefühle kennen viele von uns, wenn wir Menschen begleiten, von
denen wir wissen, dass sie bald sterben werden. Oft befallen uns
Hilflosigkeit und Ratlosigkeit am Bett des Sterbenden. Viele wollen
ihren Angehörigen beistehen, sind aber am Ende ihrer Kraft.
Was brauchen Menschen, die dem Sterben nahe sind
oder an einer schweren Krankheit leiden? Wie können wir auf sie
eingehen? Wie kann man den Angehörigen helfen? Auf diese Fragen
möchte die Hospizbewegung Antwort suchen und – wenn möglich – geben.
Oft wäre es für eine Pflegende gut und wichtig zu
wissen, dass sie in der nächsten Stunde nicht ans Bett gerufen wird.
Es wäre gut, wenn sie wüsste, dass jemand da ist, der gern gekommen
ist, nicht gleich wieder weg laufen muss und einfühlsam, zuverlässig
und unverbraucht von langer Pflege bei dem Kranken bleibt. Wenn Sie
bei der Begleitung eines sterbenden Menschen oder bei einem in
ähnlich schwieriger Lage befindlichen Schwerkranken unsere
Unterstützung in Anspruch nehmen wollen, dann rufen Sie bitte unsere
Einsatzleitung an. Telefon: 0172/9539709. Wir machen auch länger
dauernde Besuchsdienste, kommen also nicht nur, wenn der Tod
unmittelbar bevor steht.
Im Berichtszeitraum haben acht Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter des Vereins rund zweihundert Stunden bei
Schwerstkranken, bei Sterbenden und deren Angehörigen verbracht. Sie
waren in elf Einsatzstellen. Es wäre zwar möglich gewesen, mehr
Besuche zu machen, aber in diesen elf Familien wurde ein wichtiger
Dienst getan.
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten alle
unentgeltlich. Sie erhalten lediglich einen Unkostenersatz. Ohne
ihren selbstlosen Dienst wäre unser Verein ein Nichts.
In der Regel wäre es wohl nicht möglich, diese
Arbeit allein und ohne stützendes Netzwerk zu tun. Deshalb legen wir
besonderen Wert auf Vorbereitung und Fortbildung für die
Hospizbegleiterinnen und Hospizbegleiter. Danach treffen sie sich
regelmäßig, um ihren Dienst zu planen, und um Schwieriges und
Gelungenes auszutauschen. Diese Gespräche halten die Begleiterinnen
und Begleiter zusammen und stärken ihnen den Rücken.
Selbstverständlich stehen alle Beteiligten unter Schweigepflicht.
Nachdem im Juni 1999 eine Vorbereitungsgruppe im
"oberen" Bereich unseres Einsatzgebietes fertig geworden ist, gibt
es zwei solcher Gruppen. Dank dieser neuen Gruppe ist unser Ziel
erreicht, auch in den Gemeinden Obersulm, Löwenstein und Wüstenrot
verlässlich den Hospizdienst anzubieten. Der Umfang der "Einsätze"
richtet sich einerseits nach den Bedürfnissen des Schwerkranken oder
Sterbenden und seiner Angehörigen, andererseits nach den
Möglichkeiten der ehrenamtlichen Hospizbegleiterinnen und
Hospizbegleiter.
Öffentliche Vortragsveranstaltungen führen wir so
oft wie möglich durch. Sie sollen Lebenshilfe für interessierte
Bürgerinnen und Bürger sein und gleichzeitig ein Fortbildungsangebot
für die Aktiven des Vereins. Für uns alle sind Krankheit, langes
Leiden und Tod schwierige Themen. Durch das weitgehend übliche
Verschweigen dieser Erlebnisse wird aber alles noch schwerer, denn
jeder muss versuchen, ganz allein damit fertig zu werden. Wir
hoffen, mit unserer Öffentlichkeitsarbeit da und dort das Gespräch
in Gang zu bringen, damit Erleichterung geschaffen und Einsamkeit
verhindert wird. Die Veranstaltungsorte wechseln wir bewußt ab.
Unser Verein hat derzeit 90 Mitglieder. Ende 1999
sind zwei Mitglieder ausgeschieden. Im Berichtszeitraum sind aber
elf hinzugekommen, so dass wir nun auf diese erfreulich hohe Zahl
von Menschen kommen, die den Hospizdienst in der Region Weinsberg
fördern.
Wir hoffen, dass aufgrund der guten Arbeit und der
vielfältigen Öffentlichkeitsarbeit die Inanspruchnahme des
Hospizdienstes für schwerkranke und sterbende Menschen immer mehr
zur Normalität gehören wird. Wir können etwas gegen Einsamkeit und
Alleingelassensein tun. Man muss uns aber sagen, bei wem Bedarf ist,
und muss unseren Dienst wollen.
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Rundbrief an die Mitglieder vom 29.03.2000
Nun haben wir es gerade noch geschafft, Ihnen im
ersten Quartal des neuen Jahres einen Brief zu schreiben. Damit
wollen wir Sie als Vereinsmitglied ansprechen, Ihnen für die
Unterstützung der Ziele der Hospizarbeit danken und Ihnen gebündelte
Informationen geben über die öffentlichen Veranstaltungen, die
Mitgliederversammlung und die Presseartikel hinaus.
Zu Beginn jedoch erinnern wir an unser Mitglied
Ruth Kölle. Sie ist am 28. Juli 1999 nach mehreren Monaten
Pflegebedürftigkeit gestorben. Eine Hospizhelferin hat sie in dieser
Zeit regelmäßig besucht. Wer Ruth Kölle gekannt hat, weiß, wie
engagiert sie sich einsetzte, wenn sie zu einer Sache ja gesagt
hatte. So verhielt sie sich auch in der Hospizhilfe. Sie nahm an
einem Vorbereitungskurs teil und wirkte als Hospizhelferin – sie,
die als Geburtshelferin viele hundert Menschen auf dem Weg ins Leben
begleitet hatte. Wir danken ihr.
Schon – oder erst? – fünf Jahre sind seit der
Gründung unseres Vereins vergangen. Eigentlich müssten wir jetzt mit
statistischen Zahlen aufwarten. Das tun wir nicht – ehrlich gesagt,
auch weil sie nicht zusammengestellt sind. Nur so viel: Entsprechend
den Vereinszielen wurde etwa sechzig Frauen und Männern Gelegenheit
geboten, sich auf den Hospizdienst vorzubereiten. Von ihnen stehen
noch knapp dreißig für den Dienst unseres Vereins zur Verfügung. Sie
haben etwas weniger als hundert Menschen auf ihrer letzten
Lebensstrecke begleitet. Die vielen öffentlichen Veranstaltungen
haben wir nicht gezählt und schon gar nicht die Teilnehmer. In der
Zeitung und den Nachrichtenblättern sind viele Hinweise auf diese
Veranstaltungen und Berichte über die hilfreiche Arbeit der
Hospizhelferinnen und -helfer erschienen. – Mit dieser Aufzählung
sind auch die Hauptaufgaben der Hospizhilfe genannt.
Die Gründungsversammlung am 12. Dezember 1994 gab
zu diesen und vielen anderen Aktivitäten das Startsignal. Die
Satzung wurde damals unterschrieben von Dieter Bopp, Frank Bracke,
Walter Stellrecht, Sigmund Jakob, Christoph Planck, Walter Stein,
Bernd Dietz, Erika Jakob, Hans-Ulrich Leisterer. Wir bedanken uns
bei den Unterzeichnern für ihre Initiative und ebenso bei denen, die
damals zwar mitgearbeitet, aber nicht mit unterschrieben haben. Es
bedarf solcher Menschen, um Gedanken in die Tat umzusetzen. – Von
der Hospizidee wussten damals schon viele. Da und dort waren Gruppen
bereits an der Arbeit, aber im Stadt- und Landkreis Heilbronn waren
sie die ersten, die "Nägel mit Köpfen" gemacht haben. Von den
Unterzeichnern ist heute nur noch Erika Jakob im Vorstand. Das
Vorstandsmitglied Maria Leisterer hat damals zwar nicht mit
unterschrieben, war aber immer mit dabei. Dieter Bopp, der
seinerzeitige Erste Vorsitzende, hat sich aus der Arbeit
zurückgezogen. Bei Frank Bracke und Bernd Dietz machten berufliche
Entwicklungen das Ausscheiden erforderlich, in gewisser Weise auch
bei Christoph Planck, der nach seiner altersbedingten Zurruhesetzung
Weinsberg verlassen hat. Walter Stellrecht hat aus Altersgründen im
Vorstand nicht weiter mitgearbeitet. Sigmund Jakob, Hans-Ulrich
Leisterer und Walter Stein schließlich konzentrieren sich heute auf
die Schaffung des Stationären Hospizes in Weinsberg. Mit diesen
Zeilen ehren wir die genannten und ungenannten Gründerinnen und
Gründer und danken ihnen ganz herzlich.
Immer wieder beschleicht uns Ungeduld, weil wir
meinen, das Angebot des Vereins würde zu wenig in Anspruch genommen.
Dieser Eindruck ist nur teilweise richtig. In der Vergangenheit
wurden am Ende eines jeden Jahres mehr Menschen besucht und mehr
Zeit dafür aufgewendet als im Vorjahr. Tatsache ist aber auch, dass
die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mehr Besuche machen könnten,
wenn sie angefordert würden. Andererseits ist es im konkreten Fall
manchmal gar nicht so einfach, die Möglichkeiten der Helferin und
die Wünsche und Bedürfnisse der Einsatzstelle in Einklang zu
bringen. Dann sind die Einsatzleiterinnen mit ihrem Geschick, ihrer
Phantasie und ihren Kenntnissen gefragt.
Die Einsatzleitung hat bis Mai 1999
Gemeindereferentin Iris Schmid wahrgenommen. Sie war Teilnehmerin an
der ersten Vorbereitungsgruppe für Helferinnen und Helfer und hat
sich danach im Team der Kontaktpersonen als Koordinatorin zur
Verfügung gestellt. Daraus ergab sich, daß sie die Einsatzleitung
übernahm. Wir alle, die Helferinnen und der Vorstand, waren sehr
zufrieden mit dieser Lösung, zumal Iris Schmid auch noch die
regelmäßigen Treffen der Gruppe leitete. Entsprechend groß war
Anfang des Jahres die Ratlosigkeit über ihren bevorstehenden Weggang
aus Weinsberg. Noch größer war die Dankbarkeit für ihre Arbeit und
die menschliche Art, die sie bei uns gelebt hat.
Aus der Ratlosigkeit über die künftige
Einsatzleitung haben uns Sigrid Schuler und Eva-Maria Wilske
befreit. Sie haben sich bereit erklärt, in regelmäßig wechselndem
Turnus die Einsatzleitung zu übernehmen. Dank moderner Technik geht
das ganz gut, denn sie brauchen nur ein Handy und die entsprechenden
Unterlagen auszutauschen. Und sollten sie beide einmal nicht
ansprechbar sein, springt Martin Rau ein. So ist die Einsatzleitung
stets über die Telefonnummer 01 72 / 9 53 97 09 oder den
angeschlossenen Anrufbeantworter erreichbar.
Der Presse haben Sie sicher entnommen, daß der
Freundeskreis Stationäres Hospiz seinem Ziel ein gutes Stück näher
gekommen ist. Für das Gebäude Schwabstraße 20 in Weinsberg liegt ein
Mietvertrag vor. Für die Umbaukosten wurde inzwischen ein größerer
Geldbetrag gesammelt, der leider noch nicht ausreicht. Aber die
entsprechenden Bemühungen werden mit viel Elan fortgesetzt. Zwischen
der Hospizhilfe Region Weinsberg e. V. und dem Freundeskreis
Stationäres Hospiz wurde am 6. Oktober 1999 eine Vereinbarung über
die Begleitung der Menschen im Hospiz und die Zusammenarbeit der
beiden Vereine geschlossen. Wenn der Eröffnungstermin des
Stationären Hospizes absehbar ist, wird unser Verein mit einer neuen
Vorbereitungsgruppe für Helferinnen und Helfer beginnen, um den dann
steigenden personellen Anforderungen entsprechen zu können.
Abschließend bitten wir Sie, wo immer nötig Mut
zu machen, den Hospizdienst in Anspruch zu nehmen. Persönlicher
Zuspruch hilft am meisten. Wir bitten Sie um Anregungen für unsere
Arbeit. Wir danken Ihnen für Ihre Treue zu diesem, Ihrem Verein.
Übrigens: Bei der Mitgliederversammlung am Mittwoch, 8. November
2000, ist der Vorstand neu zu wählen.
Mit freundlichen Grüßen
gez. Horst Gold gez. Martin Rau
Erster Vorsitzender Zweiter Vorsitzender
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Darf
Leiden grenzenlos sein?
Oder: Die Würde des Menschen ist unantastbar
In Verbindung mit der Stadt Weinsberg bietet die
Hospizhilfe Region Weinsberg eine Vortragsreihe über das Thema
"Sterbebegleitung oder Sterbehilfe" an. Die Vortragsreihe kommt
durch den Erlös der Benefiz-Veranstaltung "Weinsberger Kulturbuffet"
zustande.
Kurt Scheffler, zweiter Vorsitzender der AOK
Heilbronn führte in das Thema ein. Die Auseinandersetzung mit dem
Tabu-Thema Tod sei wichtiger denn je, meinte er. Er begrüße und
achte die Arbeit der Hospizbewegung, die Schwerstkranke bis zum
letzten Atemzug menschlich begleite.
"Darf Leiden grenzenlos sein?". Unter diesem Titel
sprach am ersten Abend der leitende Arzt der Filderklinik, Dr. med.
Paolo Bavastro. Das Vortragsthema leitete er um in "Die Würde des
Menschen ist unantastbar", denn sein Ziel war nicht, die
medizinischen Möglichkeiten der Pflege und Behandlung
Schwerstkranker darzulegen. Er appellierte viel mehr an seine
Zuhörer, die Beziehung zu einem Schwerstkranken aufzubauen. Das sei
im wahrsten Sinne des Wortes "notwendig".
"Sind die Begriffe auch richtig, die wir benützen?",
stellte er anfangs in der gut besuchten Baukelter in den Raum und
machte klar. "Schmerz ist nicht in einer Kurve nach oben unendlich".
Todkranke fühlten beispielsweise kurz vor ihrem Ableben keinen
Schmerz, alles sei bis auf das Existenzminimum zurückgezogen, auch
das Schmerzempfinden. "Es kommt darauf an, wie wir mit dem Patienten
umgehen", sagte Bavastro weiter. Je ungeschützter, je bedrohlicher
die Situation für den Patient, um so mehr brauche dieser Schutz.
Denn, der Grad seines Leidens sei nie von außen zu beurteilen. Ganz
entscheidend sei hier die Beziehung zu ihm. "Je mehr die Beziehung
zum kranken Menschen gestört ist, desto mehr leidet er". Zur
Beziehung gehörte für den leitenden Arzt der Filderklinik eindeutig
die Würde des schwerstkranken Menschen zu schützen. Nicht die Art
der Krankheit mache den Menschen unwürdig, "sondern die Art, wie ich
mit dem Kranken umgehe", entgegnete er.
Der Arzt sprach sich für die richtig eingesetzte
Schmerztherapie aus. Sie verlängere nicht das Leiden, sondern
erleichterte den Schwerstkranken, löse Verkrampfungen und lasse ihn
dadurch länger leben. Zu den Koma-Formen und zum Hirntod nahm der
Arzt ebenfalls Stellung. "Wie begleiten wir diese Menschen?", fragte
er. Die gängige medizinische Meinung sei, der Patient empfinde
nichts unter Narkose, nichts im bewusstlosen Zustand des
Sterbeprozesses. Richtig dagegen sei, dass er in einer anderen Welt
lebe, Realität anders wahrgenommen werde". Unzählige Beispiele, auch
bei Nahtoderfahrungen würden für sich sprechen. "Bescheidenheit und
Demut bei Bewusstlosen ist ganz wichtig".
Auch dass ein Schwerstkranker bei Hirntod bereits
tot sei, ließ Bavastro nicht gelten. Das Bewusstsein sei zwar
unwiederbringlich weg, die Kopfreflexe ausgeschaltet, vegetative
Reflexe aber erhalten. Auch dafür gebe es Beweise. "Wir wissen
einfach nicht, ob sie etwas wahrnehmen", befürchtete der Mediziner.
Bei der Erklärung des Hirntodes werde weltweit der Prozess des
Sterbens eliminiert. Eine perfekte Verdrängung des Sterbens also,
vermutete er.
"Wir müssen lernen, Phänomene anders zu sehen, genau
zu beoachten, um den inneren Zustand eines Kranken erkennen zu
können", plädierte Paolo Bavastro. Dazu gehöre auch das
Menschenbild, das die Ärzte und die Gesellschaft in sich tragen.
"Menschsein ist nicht am Gehirn festgemacht", war sein
eindringliches Statement.
Margit Stöhr-Michalsky
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"Hollands
langer Schatten"
Film von Bernd Umbreit
Der zweite Abend der Reihe über Sterbegebleitung
oder Sterbehilfe der Hospizhilfe Region Weinsberg ließ den
Filmemacher aus Oberstenfeld Bernd Umbreit zu Wort kommen. Seine
Dokumentation "Hollands langer Schatten" entstand vor sieben Jahren
für den WDR. Kein objektives Für und Wieder zur aktiven Sterbehilfe,
sondern ein subjektiver Film, der Behinderte, alte einsame Menschen,
zwei junge Frauen zu Wort kommen läßt. Er will aufrütteln, Gedanken
formulieren, menschliche Werte in den Vordergrund rücken, zur
Diskussion über "Euthanasie durch die Hintertür?", so der Untertitel
des Films, anregen . "Den Menschen zuzuhören ist notwendig in dieser
Zeit, da die Erinnerung an die Euthanasieverbrechen zu verblassen
beginnt", so der Filmemacher zu den gezeigten Betroffenen.
Am 27. November hat das holländische Parlament in
der ersten Kammer ein Gesetz verabschiedet, das aktive Sterbehilfe
durch Ärzte unter entsprechenden Auflagen und Meldung an
kontrollierende Behörden straffrei macht. 2/3 der holländischen
Ärzte hätten sich dem Wunsch nach aktiver Sterbehilfe verweigert,
berichtete Rechtsanwalt und ehrenamtlicher Hospizhelfer Markus
Kleine, der in den Abend einführte. Dennoch seien 2216 gemeldete
Fälle im letzten Jahr bekannt. 90 %, die sich die erlösende Spritze
wünschten seien Krebspatienten im Endstadium gewesen, so Kleine. In
Deutschland habe jeder Patient das erklärte Selbstbestimmungsrecht,
die Fortführung der ärztlichen Behandlung abzulehnen. Passive
Sterbehilfe, Unterlassung einer lebensver-längernden Maßnahme, die
indirekte Sterbehilfe, wenn durch höchste schmerzmindernde
Morphium-Dosen der Tod nicht auszuschließen sei, ist in Deutschland
straffrei.
"Brauchen wir in Deutschland eine entsprechende
Regelung wie in Holland?" "Wie gehen wir mit Euthanasiegedanken
um?". Fragen, die der Gesprächsabend in den Raum stellte. "Der
Schrei nach Sterbehilfe ist ein Schrei nach Lebenshilfe" war der
Filmemacher überzeugt. Er sprach von den Erfahrungen während der
Dreharbeiten, beleuchtete die Schicksale der Menschen in der
Dokumentation. "Sterbehilfe ist nicht Erlösung des anderen, sondern
vom anderen" schrieb der Spastiker im Film, den die Ärzte schon
aufgaben. "Es wird schwieriger in der Gesellschaft zu leben", teilte
eine andere Behinderte im Film mit. Die aids-kranke junge Frau
setzte sich malerisch
mit dem Tod auseinander. Sie habe gelernt, Schmerzen zu ertragen,
danke für jeden Tag, sagte sie in die Kamera. Bis zuletzt hat
Umbreit sie besucht.
In der anschließenden Diskussion stellte sich die
Frage nach der Freiheit des Einzelnen über sich zu entscheiden,
ebenso die Frage nach der Würde des Menschen. "Wenn die Zuneigung
zum kranken oder alten Menschen stimmt, kann der Wunsch nach
Sterbehilfe gar nicht aufkommen", so der Filmemacher. Er sieht die
Hospizbewegung als Gegenbewegung, dass Menschen in menschlicher
Wärme sterben dürften.
Margit Stöhr-Michalsky
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Heilbronner Stimme,
Montag, 11. Dezember 2000
"Der Ruf nach Sterbehilfe ist ein Schrei
nach Lebenshilfe"
Von Margit Stöhr-Michalsky
Als die Hospizhilfe Region Weinsberg die
Vortragsreihe plante, ahnte sie noch nicht, welche Aktualität sie
bekommen würde. Durch das neue holländische Gesetz über aktive
Sterbehilfe erhielten die Themen" Hollands langer Schatten" und
"Vergib uns unsere Schuld" eine besondere Brisanz.
Am 27. November hat das holländische Parlament in
der ersten Kammer ein Gesetz verabschiedet, das die aktive
Sterbehilfe unter entsprechenden Auflagen und Meldung straffrei
macht. "Ist diese Diskussion in Deutschland jetzt auch fällig?",
"Was sagt das Gewissen?" Fra gen,
die an den Abenden von über 40 Zuhörern gestellt wurden.
Die Veranstaltungen fanden in gemeinsamer
Trägerschaft von Hospizhilfe, der Stadt Weinsberg statt mit
Unterstützung der Weinsberger Kirchen. Vor sieben Jahren, als in
Holland bereits über aktive Sterbehilfe debattiert wurde, hat der
Filmemacher Bernd Umbreit aus Oberstenfeld sich Gedanken dazu
gemacht und in seiner TV-Dokumentation Behinderte, alte Menschen,
zwei junge Frauen, davon eine mit Aids lebensbejahend zu Wort kommen
lassen.
"Sterbehilfe ist nicht Erlösung des anderen, sondern
vom anderen", sagte der seit über 20 Jahren spastisch behinderte
Mann im Film. Eine junge Behinderte im Rollstuhl meinte: "Es wird
immer schwieriger in dieser Gesellschaft zu leben". Eine Holländerin
ging wegen der geduldeten aktiven Sterbehilfe zu einem deutschen
Arzt.
Der Film "Hollands langer Schatten - oder Euthanasie
durch die Hintertür" machte betroffen, führte zu unterschiedlicher
Meinung und Diskussion. Die Erfahrungen während der Dreharbeiten,
die vielen Gespräche mit Behinderten und Kranken haben ihm gezeigt,
"der Ruf nach aktiver Sterbehilfe ist ein Schrei nach Lebenshilfe",
so Umbreit. Er sieht die Hospizbewegung als Gegenbewegung dazu.
Beim Themenabend "Vergib uns unsere Schuld"
referierte Joachim Beck, Studienleiter in der Evangelischen Akademie
Bad Boll. Er stellte kritische Fragen in beide Richtungen.
Einerseits die Freiheit des Menschen, für sich zu entscheiden.
Andererseits die nicht zustehende Beurteilung über den Wert des
Lebens.
Vor allem die Angst vor langem Leiden, Angst vor zu
wenig oder zu viel Medizin löse bei den Menschen Gedanken aus,
Schluss zu machen.
Auch der Hospizverein habe bei vielen Gesprächen
diese Angst erfahren, berichtet der erste Vorsitzende Horst Gold.
Doch auch dieses: "Bei Hospizeinsätzen (bei der Begleitung
Schwerstkranker, Sterbender) ist nie jemand auf uns zugekommen. Alle
Angst, die der Mensch hat, ist die Todesangst. "Heute wisse man,
dass bei dem gewählten Schritt in den Tod andere Gründe dahinter
seien.
Was ist, wenn der schwerstkranke Patient keinen
Willen mehr äußern kann? Erschreckend ist für Joachim Beck die
holländische Umfrage 1990 bei Ärzten gewesen. 27 Prozent hätten
aktive Sterbehilfe ohne Nachfrage des Patienten angekreuzt. Bei
einer Umfrage vor fünf Jahren ging diese Zahl zurück, die Säule der
passiven Sterbehilfe (Un terlassung,
Absetzen lebensverlängernder Maßnahmen) jedoch hoch.
Der Theologe stellte den "gefährlichen" minimalen
Unterschied der befürworteten passiven Sterbehilfe und der in
Deutschland "ablehnenden" aktiven Sterbehilfe heraus. Beck sah an
anderer Stelle die Gefahr des "Dammbruches". Wenn erstmal die aktive
Sterbehilfe genehmigt sei, sei dann die Spirale freiwillig - nicht
ganz freiwillig - üblich - normal? Auch er plädierte für gute
Palliativmedizin, gute Hospizarbeit, den Wunsch des Patienten zu
respektieren.
Mit dem Satz "in allem Handeln werden wir schuldig",
zitierte er Bonhoeffer.
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"Vergib
uns unsere Schuld" – keine Beurteilung über den Wert des Lebens
Beim dritten Abend der Vortragsreihe der Hospizhilfe Region
Weinsberg über "Sterbebegleitung oder Sterbehilfe" sprach Joachim
Beck, Studienleiter an der Evangelischen Akademie Bad Boll. Zum
Thema "Vergib uns unsere Schuld" stellte er Fragen in beide
Richtungen, zum einen zur Freiheit des Menschen über sich zu
entscheiden, zum anderen über die Gefährlichkeit, das Tor zur
aktiven Sterbehilfe zu öffnen.
Die deutsche Ärzteschaft äußere sich eindeutig, sagte Dekan Otto
Friedrich, der in den dritten Gesprächsabend einleitete. "Hilfe beim
Sterben ja, Hilfe zum Sterben nein". Die straffreie gesetzliche
Regelung zur aktiven Sterbehilfe in Holland, die vor kurzem in der
ersten Kammer verabschiedet wurde, war Grundlage der Diskussion.
Friedrich sprach vom Tabu, das in Holland jetzt gebrochen wurde.
"Wir dürfen Sterbende nicht allein lassen", war seine Aufforderung
und weiter "wer sterben nicht akzeptiert, akzeptiert nicht das
Leben".
Joachim Beck, in der Evang. Akademie Bad Boll zuständig für den
Arbeitsbereich Gesundheit/Ethik, legte eine Umfrage über aktive
Sterbehilfe in Deutschland vor. Im Westen waren 34,1 % der
Bevölkerung dafür, im Osten 40,4 %. Nach einer neusten Umfrage sind
bereits 2/3 der Befragten für aktive Sterbehilfe. Die Angst vor
Leiden, vor zu viel oder zu wenig Medizin stehe dahinter, meinte er.
Es sei gar nicht einfach die Grenze zwischen passiver Sterbehilfe,
(Verzicht auf lebensverlängernde Maßnahmen), indirekter Sterbehilfe
(Inkaufnahme einer Lebensverkürzung durch eine notwendige, z. B.
schmerzlindernde Behandlung) und aktiver Sterbehilfe (direkte
Tötung) zu ziehen.
"Wie gehen wir mit dem Willen des Patienten um?", "Was ist, wenn
er seinen Willen nicht mehr äußern kann?, "Darf nur der Starke
seinem Leben ein Ende setzen?", waren Fragen, die der Theologe
kritisch in den Raum stellte. Die Angst, jemanden zur Last zu
fallen, ist bei schwerkranken Patienten gegeben. "Wird aktive
Sterbehilfe nicht irgendwann einmal zum Zwang für den Betroffenen?"
gab er weiter zu bedenken. Auch die Frage, wer kontrolliere, wer
setze Grenzen, sei noch lange nicht ausdiskutiert. Die
verabschiedeten Grundsätze von Ärzten verbieten aktive Sterbehilfe.
Dagegen sei immer wieder spürbar, daß Kostengesichtspunkte in
Entscheidungen hinein spielen, meinte Joachim Beck.
Wenn der Damm erst einmal gebrochen ist, heiße dann die Spirale
der aktiven Sterbehilfe "freiwillig – nicht ganz freiwillig – üblich
– normal"? Gute Palliativmedizin, gute Hospizarbeit, Klarheit in den
Kliniken, keine Fremdbestimmung wünschte er sich. "Wenn wir vom Wert
eines Lebens reden, bewerten wir es bereits", stellte er
eindrücklich fest.
Margit Stöhr-Michalsky
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