Heilbronner Stimme, 07.01.2004
Betroffenheit über Tod von Martin Rau
Die
Betroffenheit ist in Weinsberg nach dem plötzlichen Tod von Stadtgärtnermeister
Martin Rau (Foto) groß. Der 40-Jährige war auch sozial sehr stark
engagiert. Als Hospizbegleiter war er neun Jahre lang für sterbende
Menschen da. Er saß stundenlang bei Schwerstkranken, hielt Hände,
legte die Lieblingsmusik auf, schwieg im gemeinsamen Atemzug oder erfüllte
den letzten Wunsch. "Ich bin auch in der direkten Sterbephase da,
und wenn es halb eins in der Nacht ist", sagte er einmal. Für ihn
war die ehrenamtliche Arbeit als Hospizbegleiter " eine persönliche
Bereicherung".
1987 beschäftigte sich der gebürtige
Westfale zum ersten Mal mit dem Lebensende und dem "Leben
danach". Als sich 1994 der Verein Hospizhilfe Weinsberg gründete,
war er einer der ersten und der einzige männliche Hospizbegleiter.
Als Zweiter Vorsitzender des heutigen
Vereins Hospizdienst Weinsberger Tal hat er sich stets dafür
eingesetzt, dass die Hospizarbeit in der Öffentlichkeit bekannt wurde.
Schon seit 1989 engagierte sich Martin Rau im ökumenischen Arbeitskreis
Asyl, dessen Vorsitzender er war. Unermüdlich organisierte er
gemeinschaftliche Treffen, ebnete Wege, um die Integration der Menschen
im Übergangswohnheim zu erleichtern.
Die Natur lag dem Leiter der Stadtgärtnerei
genauso am Herzen wie die Menschen. Nach der Weinsberger
Agenda-Zukunftskonferenz 2001 gründete er mit Gleichgesinnten die
Agendagruppe "Wegwarte". Natur schätzen und bewahren war sein
Anliegen.
Die Apfelbaumaktion für Kindergärten vor
drei Jahren ist noch vielen Leuten in Erinnerung. Im Januar wollte der
40-Jährige mit der Gruppe den Winterschnitt an den Bäumen vornehmen.
Am Morgen des 2. Januar hörte das Herz von Martin Rau auf zu schlagen.
(mam) |