Schmerztherapie bis zum letzten Atemzug
Es geht um Lebensqualität in der letzten Phase einer unheilbaren
Krankheit. Dazu gehören die Schmerztherapie, Ernährung und die würdevolle
Begleitung. Palliativmedizin ist das Stichwort. Zum ersten Mal fand ein
Ärzte-Symposium zu diesem Thema in Weinsberg statt.
Ein neu gegründeter Qualitätszirkel soll
weitere Bildung in Palliativmedizin ermöglichen. Für den Qualitätszirkel,
den der Facharzt für Allgemeinmedizin Sigmund Jakob initiierte, hat die
Ärztekammer bereits drei Punkte gewährt.
Punkte als Nachweis auf dem Bildungskonto,
das Ärzte nach gesetzlichen Vorgaben führen müssten, erklärte der
Weinsberger Arzt. Das Symposium für Ärzte im Stadt- und Landkreis
Heilbronn war der Anfang. Alle drei Monate sollen Vorträge über die
"Medizin am Ende eines Lebens" folgen. Ende des Jahres sollen
Schulungen für Krankenschwestern angeboten werden.
Weinsberg könnte zu einem Zentrum in
Palliativmedizin werden. Das käme dem Wunsch des Initiators nahe.
Sigmund Jakob ist begleitender Arzt im neuen Franken-Hospiz in
Weinsberg, das eine würdevolle Begleitung bis zum letzten Atemzug gewährleistet.
Es wurde jetzt offiziell eingeweiht.
Palliativmedizin habe sich erst in den
vergangenen zehn Jahren entwickelt und durchgesetzt. Das Symposium mit fünf
Experten sollte zum Beispiel Hausärzten die Möglichkeiten geben, sich
mit einer unheilbaren Krankheit und entsprechender Therapie auseinander
zu setzten, sagte der Weinsberger Mediziner.
25
Teilnehmer waren in die Hildthalle gekommen, um unter Leitung von Dr.
Karl-Heinz Koniczek, Internist, Onkologe und Hämatologe in Heilbronn,
mehr zu erfahren. Er hob noch einmal das gesellschaftliche Engagement
hervor, das in einem langen Prozess das erste Hospiz in dieser Region
ermöglicht habe.
Vieles sei in den letzten Jahren in der
Palliativmedizin passiert, Baden-Württemberg sei vom
"Entwicklungsland weggekommen", doch viel müsste noch
verbessert werden, ergänzte er. "Nur" drei Palliativstationen
gebe es hier im Land.
Beifall fand der Beitrag von Dr. Michael
Hatzenbühler von der Uniklinik Heidelberg, der sich in Freiburg für
eine Palliativstation einsetzt. Der Facharzt veranschaulichte die
psychische Komponente bei einer unheilbaren Krankheit. Er sprach auch über
Morphintherapie und der Scheu davor, da immer noch die Meinung
existiere, davon süchtig zu werden, und Morphium die Endstufe zum Tod
bedeute.
Doch auch davon sprach er: "Wenn die
Seele weint, hilft auch kein Morphium." Beim psychisch-emotionalen
Schmerz von Schwerstkranken könne auch an Co-Medikamente gedacht
werden.
Dr. Johannes Beck, Facharzt für Anästhesie
und Schmerztherapie in Heidelberg, führte in die Einzelheiten bei einer
Schmerztherapie, die Antidepressiva einschließe. Er informierte über
Dosierungen, Verträglichkeit, Nebenwirkungen. "Wir können keine
Wunder ermöglichen", aber immer wieder individuell entscheiden;
wenn noch möglich mit dem Patienten. Immer wieder neue Angebote machen,
auch wenn es scheine, das alles eingesetzt sei. "Ausbehandelt gibt
es nicht ", machte er deutlich. "Das medizinisch ethisch
Vertretbare steht hier im Vordergrund."
Foto und Artikel von Margit Stöhr-Michalsky -
Heilbronner Stimme 27.05.2003
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